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Lernumgebungen

Klassenraumgestaltung: Ideen für Architekten zur Förderung der Identifikation der Schüler

Mit gut gestalteten Klassenzimmern lassen sich Lernfortschritte der Schüler in nur einem Jahr um etwa 16 % steigern. 

Eigenverantwortung und Flexibilität machen ein Viertel dieser Lerneffekte aus, also sollten wir diese wichtigen Faktoren in Bezug auf die Gestaltung des Klassenzimmers genauer unter die Lupe nehmen.

Wenn Kinder sich mit ihrem Klassenzimmer identifizieren können, dann empfinden sie auch eine größere Verantwortung, was sich wiederum vielfältig und positiv auf Aufnahmefähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung auswirkt. Ansprechende Klassenzimmer unterstützen zudem die individuelle Förderung, denn sie bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten für verschiedene Lernformen. Dafür muss die Einrichtung natürlich ebenfalls entsprechend flexibel sein.

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Förderung der Eigenverantwortung

Die physiologische und psychologische Forschung zeigt, dass die Personalisierung des Raumes ein wichtiger Faktor für die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstwertgefühl eines Menschen ist. Mehrere Studien haben herausgefunden, dass vertraute und persönlich gehaltene Räume den Menschen besser darin unterstützen, Informationen aufzunehmen, zu speichern und abzurufen¹. Fühlt sich ein Kind seinem Klassenzimmer zugehörig, so scheint dies ein guter Nährboden für die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls zu sein².

Zudem stellte sich heraus, dass Klassenzimmer, die die Ergebnisse der intellektuellen Arbeit der Schüler visualisieren (Projekte, Präsentationen und Modelle), die Beteiligung am Unterricht und auch die Lernfreude fördern³.

Die Studie „Clever Classrooms“⁴ ermittelte eine Reihe von Faktoren, die in zwei Kategorien wichtig sind: Aspekte, die dazu beitragen, dass die Schüler sich mit „ihrem“ Klassenzimmer identifizieren, und speziell kindgerechte Aspekte.

Der Bericht liefert unter anderem folgende Empfehlungen:

  • Um schnell ein Gefühl von Vertrautheit zu schaffen, sollte das Klassenzimmer einen eigenen Charakter haben oder mit besonderen Merkmalen ausgestattet werden.
  • Es sollte ausreichend Möglichkeiten bieten, die Arbeiten der Schüler an der Wand oder auf speziellen Schautischen auszustellen.
  • Es sollte personalisierte Elemente enthalten, z. B. mit Namen gekennzeichnete Garderobenhaken, Schrankfächer und/oder Schubladen.
  • Um eine kindgerechte Lernumgebung zu schaffen, sollten gut gestaltete Möbel gewählt werden. Tische und Stühle sollten je nach Alter und Größe der Kinder bequem, interessant und ergonomisch sein.

Raum für Flexibilität

Alle Klassenzimmer erfordern ein gewisses Maß an Flexibilität, um verschiedenen Lernmethoden gerecht zu werden. Die Studie „Clever Classrooms“ gibt unter anderem folgende Empfehlungen ab:

  • Klassenzimmer mit klar definierten Rückzugsmöglichkeiten oder Nischen zeigten einen positiven Einfluss auf den Lernvorgang, da dort in einem geschützten Umfeld die Einzel- und Kleingruppenbetreuung möglich wird. Vom Klassenzimmer gänzlich abgetrennte Räume zeigen jedoch scheinbar keinen Effekt.
  • Räume mit abwechslungsreichen Grundrissen bieten ein größeres Potenzial für die Schaffung verschiedener Aktionsbereiche für jüngere Schulkinder. Ältere Schüler profitieren eher von quadratischen und größeren Räumen, da sich dort die Lernmöglichkeiten effektiver ausnutzen lassen.
  • Angemessene und gut zugängliche Aufbewahrung ist wichtig, allerdings wird durch zu viele Schränke wertvoller Lernraum verschenkt. Eine gute Lösung ist es, Schränke und Garderoben in überbreiten Gängen unterzubringen, soweit der Durchgang nicht behindert wird.
  • Große, begehbare Wandflächen bieten flexible Möglichkeiten für den Aushang von Informationen und die Präsentation von Schülerarbeiten.
  • Jüngere Kinder, die viel Zeit mit spielerischem Lernen verbringen, profitieren von einer größeren Anzahl verschiedener Lernzonen. Es ist darauf zu achten, dass die Wege zwischen den verschiedenen Zonen freigehalten werden. Ältere Schüler, die mehr Zeit mit individuellem, formalem Lernen oder Gruppenarbeit verbringen, brauchen weniger Lernzonen.

Eine angemessene Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder hinsichtlich Identifikation und Flexibilität in „ihrem“ Klassenzimmer wird durch die Verbindung des Raumes mit der Natur und der Außenwelt erleichtert, z. B. mithilfe von Fenstern mit Blick in den Garten, Tageslichtsystemen im Dach und Türen mit direktem Zugang zu Spielbereichen.

Eine moderne und unkonventionelle Alternative ist es, auch bei der Bestuhlung flexibel zu sein. Neue Schulen wie die Frederiksbjerg School im dänischen Aarhus experimentieren mit dieser Möglichkeit (siehe Bild) und bieten damit den Lehrern eine effiziente und einfache Option, von den üblichen Mustern des Frontalunterrichts abzuweichen.

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Quellen

  1. McMillan: Research in Education: A Conceptual Introduction. 1997
  2. DeVries and Zan: Moral Classrooms, Moral Children: Creating a Constructivist Atmosphere in Early Education. 1994
  3. Ulrich: A place of their own: children and the physical environment, Human Ecology. 2004
  4. Clever Classrooms (2015), Summary report of the HEAD project, University of Salford, Manchester

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